Anmerkung: Die ist eine Geschichte aus der Broschüre „Kontextwechsel – Arbeiten in und mit der Natur“ von Christian Maier & Udo Möbes. Die Vollversion (116 Seiten) ist hier kostenlos anzufordern.

Drei Jahre nach der Unternehmensgründung war die Firma auf knapp 70 Mitarbeiter angewachsen. Das lag einerseits am boomenden Umfeld in der Ökobranche, aber sicherlich auch am Engagement einzelner Mitarbeiter. Und so manches, was bisher einfach funktioniert hatte, musste inzwischen geplant und genauer koordiniert werden. Der Gesprächsbedarf hatte in vielen Bereichen spürbar zugenommen. Dies führte bei manchen Kollegen immer wieder zu Unmut: Das dauert zu lange! Man hatte manchmal den Eindruck, dass es im Unternehmen zwei unterschiedliche Strömungen gab: Die einen vermissten Geschwindigkeit und Flexibilität, die anderen suchten nach mehr Ordnung und standardisierten Prozessen. Was konnte man da tun?

Die Geschäftsführung hatte erkannt, dass es wichtig war, sich mit der Führungsmannschaft zu einer Klausur zurückzuziehen und ein gemeinsames Verständnis zum Thema „Wachstum und der Beitrag als Führungskraft“ zu erarbeiten.

Es war nicht überraschend, dass das Öko-Unternehmen sich für einen Bio-Erlebnis-Bauernhof als Location entschieden hatte: für den Haberjocklhof in Schwärzenbach inmitten des Hochschwarzwalds. Neben den guten Tagungsbedingungen gab es hier allerhand Natur und Tiere zu erleben. Ein paar Mitarbeiter konnten es nicht erwarten, morgens das Vieh auf die Weide zu begleiten. Aber das war nicht die einzige Attraktion, die es am Haberjocklhof zu entdecken gab.

Als Auftakt am Morgen war ein gemeinsamer Spaziergang durch die umliegenden Wiesen und Wälder angesetzt. Dabei begegnete die Gruppe geplant-zufällig einem Förster, der einen kleinen Vortrag zum Thema „Wachstum in der Natur“ hielt. Sinngemäß sagte er etwa Folgendes:

Das Wachstum in der Natur verläuft nicht linear, in dem Sinne, dass nach einem Zehntel der Zeit auch ein Zehntel des Endergebnisses vorhanden wäre. Im Gegenteil, längere Zeit geschieht scheinbar gar nichts, dann beginnt es sehr langsam, um sich dann irgendwann exponentiell zu beschleunigen.

Wenn Sie eine Eichel einpflanzen, fängt diese nicht gleich an zu wachsen – man spricht von der Keimungszeit. Wenn die Zeit reif ist, entwickelt sich das erste Blättchen, dann das zweite und nach einem Jahr ist die junge Eiche gerade einmal rund 5 Zentimeter hoch. Aber niemand würde an dem steten Wachstum zweifeln und denken: Wenn das so weitergeht, wird das nie etwas …!

Bei unserer gewohnten Vorgehensweise in der Wirtschaft wird jedoch alles in Zeit- und Mengeneinheiten eingeteilt. So soll nach einem Drittel der Zeit auch ein Drittel des Resultats sichtbar sein. Das hat die fatale Folge, dass vom ersten Moment an gedrängt und Zeitdruck ausgeübt wird. Da ist keine Zeit, etwas anzulegen, den Boden zu bereiten, abzuwarten, dass sich etwas entfalten und reifen kann. So wird aus der natürlichen Wachstumskurve eine unnötige Leidenslinie. Das macht nicht nur viel weniger Spaß, es kommt auch weniger dabei heraus. Dabei müsste man nur die erste Zeit des scheinbaren „Nichts passiert“ verstehen, aushalten und richtig nutzen.

Um einen eingepflanzten Samen zum Wachsen zu bringen, wirkt man also nicht direkt auf diesen ein, sondern geht selbstverständlich davon aus, dass er wachsen wird, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören guter Boden, Wasser, Wärme, Licht und Nahrung.

Der Boden gibt Sicherheit und Halt, Wärme und Wasser wecken das schlummernde Potenzial, das Licht liefert die Energie für den Wachstumsprozess und die Nahrung nährt das Wachstum.

Dann lässt sich Erfolg nicht vermeiden. Sie können ja, wenn Sie jetzt weitergehen – einmal überlegen, wie und ob sich das auch auf Ihre Arbeit übertragen lässt. Denn die Zeit, die man dabei am Anfang scheinbar verliert, holt man später um ein Vielfaches wie- der herein. Also, wie sieht es bei Ihnen aus mit dem nahrhaften Boden, mit einer guten Verwurzelung und dem Warten auf den richtigen Moment? Wie sind Ihre Wachstumsbedingungen und vor allem Ihr Vertrauen, dass es wachsen wird?

Während wir langsam zurückgingen, gab es viele angeregte Diskussionen darüber, was in einem Unternehmen „guter Boden, Wasser, Wärme, Licht und Nahrung“ bedeuten könnten und welche Rolle die Führungskräfte zu übernehmen hätten.

Am Ende des Workshops gab es nicht Tabellen und To-do-Listen auf einer Flipchart, sondern ein großes Wandbild, in dem schematischh das Wachstum im Unternehmen, die Voraussetzungen und die Rolle der Führungskräfte beschrieben wurden.

Dabei war die zentrale Erkenntnis, dass es nicht die Aufgabe der Führungskräfte ist, das Tempo hoch zu halten („Druck zu machen“), sondern viel mehr, die Kontrolle loszulassen, die optimalen Rahmenbedingungen zu schaffen und dann auf den natürlichen Wachstumsprozess zu vertrauen. Das erleichterte einige Kollegen.

Andere Kollegen, die von Anfang an dabei waren, brachten zum Ausdruck, dass sie unsicher seien, ob das wirklich so funktioniere. Die Geschäftsführung zeigte sich mit dem Diskurs sehr zufrieden, auch mit dem „organischen“ Führungsverständnis. Aber auch die kritische Perspektive der alten Hasen sei sehr wertvoll und wichtig für die erfolgreiche Umsetzung. Die gemeinsame Absprache war, ab sofort die Führungsarbeit an einem organischen Prinzip auszurichten. Alle drei Monate solle in diesem Kreis besprochen werden, was umgesetzt worden sei, was gut funktioniert habe und was verbessert werden könne.

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Weitere Geschichten zu Wander-Coaching und der Arbeit mit Teams in der Natur finden Sie in der Broschüre „Kontextwechsel – Arbeiten in und mit der Natur“. Vollversion (116 Seiten) hier kostenlos als Download erhältlich.

Weitere Beiträge:

Ich freue mich sehr darüber, dass meine erste Kolumne in dem regionalen Wirtschaftsmagazin Netzwerk Südbaden erschienen ist. Ich möchte in Zukunft diese Kolumne nutzen, um jeweils zu relevanten Themen aus dem Wirtschaftsleben die Perspektiven und Erfahrungen aus meinen Business Coachings einfliessen zu lassen. Vielleicht beschäftigen sich Leser des Wirtschaftsmagazins gerade mit dem gleichen Thema oder ähnlichen Gedanken? Dann steckt vielleicht der eine oder andere Impuls in der Kolumne.

#1 – „Auf der anderen Seite ist das Gras grüner“

Bei dem ersten Thema geht es um Veränderung im Job. Die Herausforderungen beim Jobwechsel bis zum lang angepeilten Ruhestand. Welche Gedanken treiben uns dabei an? Und was kann ich in dieser Phase noch über mich selbst herausfinden? Was erwartet mich nach der herbeigesehnten Veränderung?

Natürlich freue ich mich über Feedback & Gedanken zu meiner Kolumne – gerne per Mail

Wer das regionale Wirtschaftsmagazin in Zukunft gedruckt auf dem Schreibtisch haben möchte, hier klicken… 

 

Weitere Themen aus meinem Blog:

Vorneweg: Es gibt nicht DEN EINEN idealen Ort für ALLE Workshops. Der Ort sollte auf die jeweilige Intention  des Workshops ausgerichtet sein. Als Moderator bin ich gut beraten, mich um die Auswahl des Ortes intensiv zu kümmern.

Vielleicht helfen die nachfolgenden Perspektiven, eine geeignete Workshop-Location zu finden:

Geeignet für operative Aufgabenstellungen:
Geht es in dem Workshop um operative Themen, dann muß man nicht zwingend extern sein. Es spricht vieles dafür, den Workshop direkt im Unternehmen zu machen. WARUM? Die Sollbruchstelle ist oftmals die Umsetzung der Workshop-Ergebnisse im Alltag. Ein „Bruch“ zwischen „Entstehungs-Ort“ und „Umsetzungs-Ort“ kann die Transformation durchaus erschweren. Die HERAUSFORDERUNG bei einem internen Workshop ist, darauf zu achten, dass die Störfaktoren reduziert werden. Die Störuzngs-Klassiker sind: Die Teilnehmer werden in den Pausen von anderen Kollegen angesprochen, lesen in den Pausen schnell ihre E-Mails oder werden in dringenden Angelegenheiten auch mal spontan abgezogen.

Hilfreich für kreative Fragestellungen:
Wenn es darum geht, aus den gewohnten Arbeits- und Denkweisen auszubrechen, ist eine externe Location sehr hilfreich. WARUM? Man kommt aus dem Arbeitsalltag und der Gewohnheit heraus. TIPP: Hier kann man gut mit Kontrasten arbeiten! Liegt das Büro im ländlichen Raum im Grünen, dann kann ein urbanes und städtisches Umfeld inspirieren. Sitzen die Kollegen normalerweise in einem Bürogebäude im 4. Stock, dann kann vielleicht ein Bauernhof, ein Atelier oder etwas Naturnahes entsprechende Inspiration bieten. Das gilt auch für Arbeitsmaterialien, z.B. viel Platz und Aufhängeflächen, was oftmals in Büros so nicht vorhanden ist.

Voraussetzung für persönliche Themen:
Für eine vertrauliche Aussprache ist der verglaste Besprechungsraum auf der eigenen Büroetage vermutlich nicht geeignet. Zusätzlich zu den normalen Störfaktoren bei internen Veranstaltungen, kommt dann noch der Aspekt dazu, sich „unter Beobachtung“ zu fühlen. Für diese Aufgabenstellung hilft ein Ort, an dem sich die Teilnehmer möglichst ungestört bewegen können und sich unbeobachtet fühlen. Bucht man sich in einem grösseren Tagungshotels ein, empfiehlt es sich darauf zu achten, wie der Raum liegt und ob andere Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden. Oder  man sich das Hotel mit einer Busreise-Gesellschaft teilen wird. Tipp: Für Themen bei denen es um die Selbsterfahrung & persönliches Feedback geht, sollte man genug Zeit für die Themen und den Aufenthalt (Übernachtungen) vorsehen. Während dem Schlafen finden in unserem Gehirn Prozesse statt, die das Erlebte dann verarbeiten und aufräumen können.

Der Tagungs-Ort ist noch keine Geling-Garantie:

Bei allen Überlegungen zum optimalen Workshop-Ort ist zu beachten: Mit dem Ort alleine ist es noch längst nicht erledigt! Ein Ort kann unterstützen, aber wird nicht den Erfolg des Workshops garantieren. Wichtiger ist, ob die Intention und das Ziel des Workshops klar ist, ob das Zeitfenster und die ausgewählten Methoden zu den Aufgaben passen und die richtigen Teilnehmer dabei sind und diese wissen, was auf sie zukommt. Das alles sollte in der Vorbereitung geklärt sein. In unserem eigenen Seminarhaus können wir immer wieder beobachten, dass – vermutlich wie bei internen Meeting – die Laptops aufgeklappt und Smartphones genutzt werden. Als Moderator kann ich nur empfehlen, das entweder schon im Vorfeld oder spätestens dann im Workshop zum Thema zu machen.

Beste Praxis für die Vorbereitung:

In meinem Moderations-Trainings empfehle ich den Teilnehmern, sich den Ort vorher anzuschauen. Wenn man in dem Raum steht, dann merkt man schnell, wie der Raum passt und was das für die Vorgehensweise bei dem Workshop bedeuten kann. Eine schöne Begleiterscheinung ist dann dann, dass man selbst sicherer ist, was auf einen zukommt. Ein Fragezeichen weniger! Falls der Kunde und der Raum zu weit ist, dann kann man sich beim Kunden einen Verbündeten suchen, der sich darum vor Ort kümmert und einen mit entsprechenden Bildern und Videos (auch live mit Facetime / Skype) versorgen kann.

Unabhängig vom Ort: Walk & Talk.
Egal, ob der Workshop nun intern oder extern ist. Als wirkungsvollen Baustein in einem Workshop empfehle ich einen „Walk & Talk“. Idealerweise im Grünen. Aber selbst die Runde um den Block kann manchmal etwas Neues entstehen lassen. Anstatt  noch länger in einem Raum über ein Problem zu brüten. Weiterführende Infos & Tipps zu Walk & Talk hier…

Beispiele von geeigneten Locations im Hochschwarzwald findet man in dieser Broschüre „Kontextwechsel – Arbeiten in und mit der Natur“ (Download PDF). Auf Wunsch sende ich auch gerne eine gedruckte Version zu. Oder auf dieser Website findet man eine Beschreibung der Locations im Hochschwarzwald.

Selbständiger Berater, Trainer & Business-Coach (Start 2016)

  • Begleitung von Change-Prozessen in verschiedenen Unternehmen (Schwerpunkt mittelständische Unternehmen)
  • Coaching von GF-Teams im Kontext von Strategie, Change-Management, Führung, Kommunikation & Unternehmenskultur
  • Einzel-Coachings von Unternehmern, GFs und Führungskräften
  • Konzeption & Moderation von strategischen und operativen Workshops (von 5-20 Teilnehmer)

Seminarhaus Saiger Lounge – (Gründung 2015) >Website

  • Entwicklung Konzept & Geschäftsmodell (Start 2013)
  • Planung & Sanierung eines Schwarzwald-Cafes (2013-2015)
  • Markteinführung, Vermarktung und laufender Betrieb (ab 2015)

Virtual Identity / 180 MA in Freiburg, München & Wien (ges. 16 Jahre) >Website

  • Unternehmer, Gesellschafter & Vorstand
  • Berater in unterschiedlichen Digitalprojekten (Siemens, Allianz, HVB, Lufthansa, Evonik, OSRAM, Festo, Haufe-Lexware, Sano, TUI, …)
  • Erfahrungen aus >100 Workshops in Moderation mit Führungs- und Projektteams.
  • Praktische Erfahrungen zu flexiblen und selbstorganisierten Teammodellen, flachen Hierarchien, Lernkultur und zu Meeting-Gestaltung und Kultur.
  • Durchführung von internen Trainings an den Standorten Freiburg, München und Wien zu Feedback, Kommunikation und Workshop-Moderation.

Alltoys / GF (1 Jahr)

  • Einstieg in der Start-up Phase
  • Entwicklung der Prozesslandschaft
  • Konsolidierung nach Rückzug der Venture-Capitals (New Economy Krise)

Haufe Mediengruppe (11 Jahre) >Website

  • Ausbildung zum Verlagskaufmann
  • Teamleiter, dann Gesamt-Marketingleiter (50 MA)
  • Digitalisierung Produktformen (vom Loseblattwerk > CD-ROM > Online)
  • Digitalisierung der Vermarktung (vom Direct Mail zu Digital Selling)
  • Leiter Taskforce mit neuem Geschäftsmodell

Ausbildung

  • Metallblasmusikinstrumentenbauer (1984-1987)
  • Verlagskaufmann (IHK / 1989-1992)
  • Marketingfachkaufmann (AKAD / 1995-1996) >Website
  • Dipl. General Management (SGMI) zu Change-Management (St.Gallener Management Institut – 1999-2000) >Website
  • Trainings & Coachings (Lanzdorf – Akademie für wertebasierte Unternehmensführung – 1997-heute) >Website