Vor ein paar Jahren habe ich angefangen, die ersten Mitarbeitergespräche nicht mehr in einem Besprechungsraum zu führen, sondern dafür einen Spaziergang zu nutzen. Die Route ging von der Freiburger Innenstadt in Richtung St. Otilien.

Es war ungewohnt einfach mitten am Tag aus dem Büro zu gehen. Nein, wir arbeiten – wirklich! Jaja, schon klar… dachte sich bestimmt der eine oder andere Kollege. Sobald wird das Getümmel der Innenstadt hinter uns gelassen haben, konnten wir ins Thema eingestiegen.

Interessant war für mich meine Wahrnehmung auf weitere Ebene zu erweitern:

  • Welches Tempo schlägt mein Gegenüber an?
  • Bei welchen Themen wird die Sprache vielleicht schneller?
  • Wo wird der Gang schneller oder vielleicht langsamer?
  • Wo entstehen Pausen und wie fühlen sich diese an (entspannt, beklemmend,…)?

Highlights kommen meistens an den Stellen, an denen der Gesprächspartner stehen bleibt, kurz innehält und dann seine Gedanken mit mir teilte.

DIY – Auf was sollte ich achten, wenn ich es einfach mal ausprobieren möchte?

Seit diesen Anfängen versuche ich regelmässig die Bewegung in der Natur in meine Arbeit einzubeziehen. Bei der Planung sollte man darauf achten, dass die Route nicht zu lang und zu steil ist. WARUM? Sonst steht schnell die körperliche Belastung und vielleicht ein Leistungsdruck im Vordergrund. Und: Das Tempo bestimmt der Gesprächspartner! Also aufpassen, dass man nicht in den alten „Trott“ fällt.

Die Routen nicht mit der Absicht der Dramaturgie auswählen. Wie z.B. an der Stelle mit dem freien Blick, müssen wir zu dem Thema XY vorgedrungen sein. Oder zu grosses Augenmerk auf das Wetter zu legen. Mit der richtigen Kleidung kann das auch im Regen genauso klappen. Der Schlüssel ist die Bewegung und wenn dann in der Natur dann zu den besprochenen Themen  eine Analogie oder Resonanz entsteht, dann ist das ein Geschenk – aber nicht ein Plan der aufgeht.

Es hat sich bewährt, direkt im Anschluß eine Reflektionsphase vorzusehen, in der dann das Wichtigste dokumentiert werden kann. Das kann ein Bank im Wald und im Stadtpark sein. Oder ein ruhiger Tisch in einem Café. Wobei es darum nicht um Romane geht, sondern das Wichtigste einzufangen.